Image by Chris Charles
Suche
  • Teufelswerk Redaktion

▶ Bildsprache & Psychologie. Wie sich das Gehirn austricksen lässt

Entsprechend unserer Philosophie wollen wir auch hier kein Blabla verbreiten, sondern einen Blog schreiben, der Euch das Marketing - Leben mit praktischen Tools und Ideen wirklich leichter macht. Ihr wollt jede Woche eine frische Idee direkt ins Postfach geliefert bekommt? Kein Problem! Dann klickt einfach ganz unten auf "Idee der Woche" und ihr bekommt sie sogar eine Woche früher als alle anderen...


Und das war die Idee der KW 38:


Der vielleicht mächtigste Trick in der Bildgestaltung.


Wer den teuflischen Tipp dieser Woche kennt, wird seine (Bilder-) Welt danach mit anderen Augen sehen. Es ist eine der elementaren Regeln der Bildgestaltung und einer der simpelsten visuellen Psychotricks - und trotzdem wird er so oft "falsch" (falsch ist hier das Gegenteil von "bewusst anders") gemacht, dass wir ihn zum teuflischen Tipp der Woche machen.




Es ist in einem Satz erklärt: Etwas links im Bild platziertes oder etwas sich nach links bewegendes, empfinden wir als rückwärtsgewandt, etwas rechts im Bild platziertes oder etwas sich nach rechts bewegendes als vorwärtsgewandt. Das simpelste Beispiel aus der Filmproduktion ist ein fahrendes Auto. Fährt es von links nach rechts, fährt es gefühlt "auf ein Ziel zu". Fährt es von rechts nach links, fährt es gefühlt wieder zurück.

Aber die Möglichkeit diesen Effekt zu nutzen, geht noch viel weiter: Wenn Menschen etwas mit der Vergangenheit assoziieren (z.B. eine alte Goldmünze oder ein Vorher-Bild), dann sollte das Bild daher auf der linken Seite platziert werden. Wenn etwas mit der Zukunft assoziiert wird (z.B. eine moderne Technologie oder ein Nachher-Bild), sollte es auf der rechten Seite positioniert werden.

Wie für jede Regel gibt es natürlich auch hier tausend Ausnahmen und individuelle Absichten. Beispielsweise empfinden wir Personen die rechts im Bild sitzen, also "uns den Weg versperren", möglicherweise nicht als modern, sondern als nach links blickend, also zurück schauend, statt vorwärts gewandt. In einem anderen Kontext kann dieselbe Position beschützend, stark und souverän wirken.

Aber warum ist das so?

Wir projizieren Zeit instinktiv auf eine horizontale Dimension. Da wir von links nach rechts lesen, assoziieren wir links mit der Vergangenheit und rechts mit der Zukunft. Wenn Text und Bilder diesem Muster angepasst werden, fällt es uns leichter die Informationen zu verarbeiten, was letztendlich zur Folge hat, dass die Inhalte besser adaptiert werden und uns einfacher in Erinnerung bleiben.

Wir sind so an diesen Effekt gewöhnt, dass sich bei Vorher - Nachher Bildern niemand die Frage stellen wird, welches Bild man auf welcher Seite platzieren soll. Und wenn man die Kraft dieses Phänomens einmal bewusst erkannt hat, fällt einem alles andere auf, wie ein Rechtschreibfehler. Aber ob Profi oder Laie - unbewusst "fühlen" kann ihn natürlich jeder. Deshalb produzieren wir Filme für den arabischen Kulturkreis "andersrum". Das kommt dem europäischen Zuschauer dann falsch vor, er fühlt sich "unwohl" beim anschauen - ohne vielleicht zu wissen warum. Kein Problem. Dumm ist das nur, wenn man eigentlich dem europäischen Zuschauer etwas verkaufen wollte. Deshalb: Egal für welche Seite ihr Euch entscheidet, weckt den inneren Freud in Euch: Denn das Ergebnis ist zu wirkungsvoll, um es dem Zufall zu überlassen.

Man könnte ewig darüber philosophieren. Am Besten ist wie immer: Einfach mal rumprobieren! Auf den Seiten des Oxford Academy Journals findet ihr einen spannenden Artikel dazu: The Future Looks “Right”: Effects of the Horizontal Location of Advertising Images on Product Attitude.

Deine teuflische Idee der Woche: Fühlt sich Deine Bildsprache bereits rund an? Entspricht der Aufbau Deiner Botschaft? Oder steht sich Dein Produkt vielleicht die ganze Zeit selbst im Weg, läuft rückwärts etc.? Fröhliches Fühlen!


Deine nächste teuflische Idee: Smarte Social Media Tools: Kampagnenplanung leicht gemacht.